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 Buddhismus

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Silverdragon
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BeitragThema: Buddhismus   Di Aug 28, 2007 6:06 pm

GRUNDLEGENDES

Der Buddhismus ist eine Lehrtradition und Religion mit weltweit zwischen 350 und 500 Millionen Anhängern
(insbesondere in China, Bhutan, Japan, Kambodscha, Laos, Mongolei, Myanmar, Sri Lanka, Südkorea, Thailand, Tibet und Vietnam),
deren Gründung auf Siddhartha Gautama, den historischen Buddha, zurückgeht, der im 5. Jahrhundert v. Chr. in Nordindien lebte.




ENTSTEHUNG UND AUSBREITUNG

Der Buddhismus entwickelte sich ursprünglich auf dem indischen Subkontinent, wo Siddhartha Gautama als Prinz im lokalen Adelsgeschlecht der Shakya in Lumbini, im nordindischen Fürstentum Kapilavastu, zur Welt kam.

Im Alter von 35 Jahren erlangte er nach der Lehre des Buddhismus Bodhi („Erleuchtung“, „Erwachen“) und wurde in der Folge als Buddha (Erwachter, Erleuchteter) bezeichnet.

Wenig später hielt er in Isipatana, dem heutigen Sarnath, seine erste Lehrrede. Damit brachte er das Dharma, die buddhistische Lehre, in die Welt und setzte das „Rad der Lehre“ (Dharmachakra) in Bewegung. Er lehrte bis zum Alter von 80 Jahren, bis bei ihm Parinirvana, das endgültige Nirvana (Verwehen), eintrat.

Diesem groben Rahmen entsprechend wurde der Beginn der buddhistischen Zeitrechnung von singhalesischen Mönchen auf das Jahr 543 v. Chr. gelegt.



Ausgehend von der nordindischen Heimat Siddhartha Gautamas wurde der Buddhismus zunächst auf dem indischen Subkontinent, auf Sri Lanka und in Zentralasien bekannt.
Insgesamt sechs buddhistische Konzile trugen zur Kanonisierung der Lehren und, gemeinsam mit der weiteren Verbreitung in Ost- und Südostasien, zur Entwicklung verschiedener Traditionen bei.

Von Südindien und Sri Lanka gelangte der südliche Buddhismus (Theravada) in die Länder Südostasiens, wo er den Mahayana verdrängte.

Der nördliche Buddhismus (Mahayana) erreichte über die Seidenstraße Zentral- und Ostasien, wo sich weitere Traditionen wie Chan (China), Zen (Japan) und Amitabha-Buddhismus (Ostasien) entwickelten.

In die Himalaya-Region gelangte der Buddhismus auch direkt aus Nordindien und es entstand dort der Vajrayana (Tibet, Bhutan, Nepal, Mongolei u.a.).



INHALTE

Aspekte des Buddhismus drangen auch in andere religiöse Traditionen ein oder gaben Impulse zu deren Institutionalisierung.(Grundlagen, Aufbau)

Zwar trat der Buddhismus in vielfältiger Weise in Wechselwirkung mit den Religionen und Philosophien der Länder in denen er Verbreitung fand, zugleich zeichnet er sich auch durch eine hohe Toleranz gegenüber anderen Denk- und Glaubenssystemen aus.


In seiner ursprünglichen Form, die mangels direkter Quellen nur eingeschränkt rekonstruierbar ist, und durch seine vielfältige Fortentwicklung ähnelt der Buddhismus teils mehr einer Denktradition oder Philosophie als einer Religion im westlichen Verständnis.

Von den monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) unterscheidet er sich grundlegend.
So benennt die buddhistische Lehre weder einen allmächtigen Gott noch eine ewige Seele.
Das, und auch die Nichtbeachtung des Kastensystems, unterscheidet ihn auch von Hinduismus und Brahmanismus, mit denen er anderseits die Karma-Lehre teilt.
In deren Umfeld entstanden, wird er mitunter als eine Gegen- oder Reformbewegung zu den vedischen Glaubenssystemen Indiens betrachtet.


Indem jemand Zuflucht zu Buddha, Dharma (Lehre) und Sangha (Gemeinschaft) nimmt, bezeugt er seine Zugehörigkeit zur Laien-Gemeinschaft des Buddhismus.
Zudem existieren verschiedene rituelle Systeme zur Ordination in den Mönchs- bzw. Nonnenorden.



Ziel von Buddhisten ist es, sich durch ethisches Verhalten, die Kultivierung der Tugenden (Fünf Silas), die Praxis der „Versenkung“ (Samadhi, vgl. Meditation) und die Entwicklung von Mitgefühl und Weisheit (Prajna) vom ewigen Kreislauf des Leidens (Samsara) zu befreien.

Auf diesem Weg sollen Leid und Unvollkommenheit überwunden und durch Erleuchtung der Zustand des Nirvana erreicht werden.


Buddha

Buddha sah sich weder als Gott noch als Überbringer der Lehre eines Gottes.
Er stellte klar, dass er die Lehre, Dhamma (Pali) bzw. Dharma (Sanskrit), nicht aufgrund göttlicher Offenbarung erhalten, sondern vielmehr durch eigene meditative Schau (Kontemplation) ein Verständnis der Natur des eigenen Geistes und der Natur aller Dinge erkannt habe.


Diese Erkenntnis sei jedem zugänglich, wenn er seiner Lehre und Methodik folge. Dabei sei die von ihm aufgezeigte Lehre nicht dogmatisch zu befolgen.
Im Gegenteil warnte er vor blinder Autoritätsgläubigkeit und hob die Selbstverantwortung des Menschen hervor.

Er verwies auch auf die Vergeblichkeit von Bemühungen, die Welt mit Hilfe von Begriffen und Sprache zu erfassen, und mahnte eine Skepsis gegenüber dem geschriebenen Wort oder feststehenden Lehren an, die in anderen Religionen in dieser Radikalität kaum anzutreffen ist.


LEHREN

Karma

Kamma (Pali) bzw. Karma (Sanskrit) bedeutet „Tat, Wirken“
und bezeichnet das sinnliche Begehren und das Anhaften an die Erscheinungen der Welt (Gier, Hass, Ich-Sucht),
die Taten, die dadurch entstehen, und die Wirkungen von Handlungen und Gedanken in moralischer Hinsicht,
insbesondere die Rückwirkungen auf den Akteur selbst.


Es entspricht in etwa dem Prinzip von Ursache und Wirkung,
wie es die westliche Welt als Grundlage der klassischen Physik und der Naturwissenschaft allgemein kennt.
Während das westliche Denken dieses Prinzip jedoch nur im materiellen Bereich kennt, bezieht Karma sich auf alles Tun und Handeln sowie die nichtmateriellen Ebenen des Denkens und Fühlens.
All das erzeugt entweder gutes oder schlechtes Karma oder kann karmisch gesehen neutral sein.


Gutes wie schlechtes Karma erzeugt die Folge der Wiedergeburten, das Samsara.
Höchstes Ziel des Buddhismus ist es, diesem Kreislauf zu entkommen, indem kein Karma mehr erzeugt wird – Handlungen hinterlassen dann keine Spuren mehr in der Welt.
Im Buddhismus wird dies als Eingang ins Nirvana bezeichnet.


Da dieses Ziel in der Geschichte des Buddhismus oft als unerreichbar in einem Leben galt, ging es, besonders bei den Laien, mehr um das Anhäufen guten Karmas als um das Erreichen des Nirvana in diesem Leben.
Gekoppelt daran ist der Glaube, dass das erworbene Verdienst (durch gute Taten, zeitweiligen Beitritt in den Sangha, Spenden an Mönche, Kopieren von Sutren und vieles mehr) auch rituell an andere weitergegeben werden könne, selbst an Verstorbene oder ganze Nationen.


Samsara

Samsara, „beständiges Wandern“, bezeichnet den fortlaufenden Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt, Werden und Vergehen.

Das Ziel der buddhistischen Praxis ist, diesen Kreislauf zu verlassen. Samsara umfasst alle Ebenen der Existenz, sowohl jene, die wir als Menschen kennen, wie auch alle anderen, von den Höllenwesen (Niraya Wesen) bis zu den Göttern (Devas).
Alle Wesen sind im Kreislauf des Lebens gefangen, daran gebunden durch Karma: ihre Taten, Gedanken und Emotionen, durch Wünsche und Begierden.
Erst das Erkennen und Überwinden dieser karmischen Kräfte ermöglicht ein Verlassen des Kreislaufs.


Reinkarnation (Pali: Punabbhava) und Karma waren Begriffe, die in der indischen Philosophie bereits vor Erscheinen des Buddha bekannt waren.

Wie der westlichen Rezeption meist entgeht, widersprach der Buddha diesen vedischen Konzepten grundlegend und ersetzte sie entsprechend seiner Erfahrung.


Die indische Philosophie kannte Atman (Sanskrit) bzw. Atta (Pali), das „Selbst“,
vergleichbar mit der persönlichen Seele der westlichen Gedankenwelt.

Buddha verneinte deren Existenz als individuelle und konstante Einheit, die auch wiedergeboren werden könnte.



Im Gegensatz dazu sprach er von Anatman (Sanskrit) bzw. Anatta (Pali), dem „Nicht-Selbst“.
Die Vorstellung von Atman ist demnach Teil der Täuschung über die Beschaffenheit der Welt.

Gemäß der Lehre Buddhas entsteht die Persönlichkeit mit all ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen in der Welt erst aus den Fünf Aneignungsgruppen, den Skandhas (Sanskrit) bzw. Khanda (Pali):
Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Geistesregungen und Bewusstsein.

Was in der vedischen Tradition Atman genannt wurde, ist demnach aus buddhistischer Sicht keine konstante Einheit, sondern in beständigem Werden, Wandel und Vergehen begriffen.
Es kann somit auch nicht als solches wiedergeboren werden.


Reinkanation

Reinkarnation wird im Buddhismus also nicht als „Seelenwanderung“ (Transmigration) verstanden, sondern als ein Impuls aus dem Karma des Gestorbenen.

Dieser Impuls ist Folge der nicht ausgeglichenen Karmabilanz des Betreffenden,
die sich in einer oder mehreren neu in Erscheinung tretenden Existenzen erneut manifestieren.



Eine bekannte Allegorie vergleicht diesen Prozess mit der Flamme einer Kerze, die weitere Kerzen anzündet.
Weder die Kerze selbst noch die Flamme bleiben dieselben, aber ohne die ursprüngliche Kerzenflamme gäbe es auch die folgenden nicht.



Demnach liegt die Ursache der Wiedergeburt im Begehren nach Sinnesbefriedigung, im Trieb nach Sein und Verwirklichung, dem Karma.



ERLEUCHTUNG

Bodhi ist der Vorgang des „Erwachens“, der „Erleuchtung“. Voraussetzungen sind das vollständige Begreifen der „Vier edlen Wahrheiten“, die Überwindung aller an das Dasein bindenden Bedürfnisse und Täuschungen und somit das Vergehen aller karmischen Kräfte.
Durch Bodhi wird der Kreislauf des Lebens (Samsara) verlassen und Nirvana erlangt.


Die buddhistische Tradition kennt drei Arten von Bodhi:


* Pacceka-Bodhi wird durch eigene Bemühungen, ohne die Hilfe von Lehrern, erreicht. Ein derart Erleuchteter wird als Pratyeka-Buddha bezeichnet.


* Savaka-Bodhi bezeichnet die Erleuchtung jener, die mit Hilfe von Lehrern Bodhi erlangen. Ein so Erwachter wird als Arhat bezeichnet.


* Samma-Sambodhi wird von einem Samma-Sambuddha („Vollkommen Erwachter“) erlangt. Ein solcher „Vollkommen Erwachter“ gilt als die perfekte, mitfühlendste und allwissende Form eines Buddha.
Der historische Buddha Shakyamuni aus dem Geschlecht von Shakya war ein solcher Samma-Sambuddha.



Das Nirvana


Nirvana (Sanskrit) bzw. Nibbana (Pali) bezeichnet das Verlassen von Samsara, den Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt.

Nirvana kann letztlich mit Worten nicht beschrieben werden, es kann nur erlebt und erfahren werden als Folge intensiver meditativer Übung und Erkenntnis. Es ist auch kein Ort, nicht vergleichbar mit Paradies-Vorstellungen anderer Religionen.
Es ist kein Himmel und keine greifbare Seligkeit in einem Jenseits.
Nirvana ist ein Abschluss, kein Neubeginn in einer anderen Sphäre.
Somit ist es ein Zustand der Zustandslosigkeit, in dem alle Vorstellungen und Wunschgebilde, also alle karmischen Kräfte, überwunden und gestillt sind.
Auch tritt Nirvana nicht erst mit dem Tod ein – Buddha selbst lebte und unterrichtete noch 45 Jahre, nachdem er Nirvana erreicht hatte.
Das endgültige Aufgehen oder „Verlöschen“ im Nirvana nach dem Tod wird als Parinirvana bezeichnet.



Religion, Weltanschauung oder Philosophie?

Während der Buddhismus zu den Weltreligionen gezählt wird, gibt es insbesondere im Westen Buddhisten, die sich als solche nicht für Anhänger einer Religion halten.

Sie betrachten den Buddhismus als Weisheitslehre und Philosophie, treffender noch als eine Art Psychotherapie, die den Glauben an eine (andere) Religion bzw. Weltanschauung nicht ausschließt.

Dabei spielt die neuere Entdeckung des Buddhismus im Westen eine große Rolle, da der Kontakt des Westens mit dem Buddhismus zu einer Zeit geschah, als Aufklärung, Säkularisation und Atheismus eine Gegenposition zur christlich-monotheistischen Einstellung bildeten.

Allerdings ist nach Vorgabe des historischen Buddha und heute von allen Buddhistischen Schulen anerkannt, dass nur jener Buddhist ist, der die Vier Edlen Wahrheiten des Buddha und die Karmalehre für richtig anerkennt und den von Buddha vorgegebenen Achtspurigen Weg (Vierte der Edlen Wahrheiten) konsequent geht.
Diese Grundsatzvorgaben kollidieren in irgendeiner Weise mit nahezu jeder heutzutage gängigen Religion.
Damit widersprechen sich meistens die Bezeichnung "Buddhist" und der gleichzeitige, zusätzliche Glauben an eine Religion.

Oft wird angeführt, dass der Buddhismus keine Götter kenne, was allerdings der in Asien gelebten Volks-Religion äußerlich widerspricht, in welcher der Glauben an Götter und Geister verbreitet ist.

Historisch gesehen wurden bei der Verbreitung des Buddhismus viele Elemente der ursprünglichen Religionen und Kulturen der jeweiligen Länder übernommen und in den Buddhismus integriert.


Abgesehen von der Gottesfrage besitzt der heute gelebte Buddhismus zahlreiche Eigenschaften einer Religion, deren Formen sich allerdings je nach Tradition stark unterscheiden:

Ritual, Gemeinschaft, Liturgie, Seelsorge, Askese und Mönchtum, Mystik und Dogmatismus – und eine jahrhundertealte Tradition in Asien, die der Kirchengeschichte der christlichen Konfessionen in vielem ähnelt, vor allem in ihrer Position zwischen Macht, Ethik und Glauben.


Während Buddhismus in Asien als etwas angesehen wird, das untrennbar mit den jeweiligen kulturellen und historischen Besonderheiten verbunden ist,
gibt es im Westen den Trend, die philosophischen und psychologischen Aspekte des Buddhismus getrennt vom historischen und kulturellen Kontext zu betrachten bzw. mit den entsprechenden europäischen Gegebenheiten zu verbinden
(Aufklärung, Demokratie, Gender-Equality).
Daher ist es eine Frage der Sichtweise und der Religionsdefinition, ob Buddhismus nun letztendlich mit dem deutschen Begriff „Religion“ bezeichnet werden soll, oder nicht.
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